30.10.22 : Abschied von Tembe – und Ankunft in Manyoni

Nach einer raschen Dusche und einer fast schon rührenden Verabschiedung wird unser Gepäck in das Mietauto umgeladen und unser Fahrer übernimmt wieder das Steuer und das Ruder. Ab sofort ist er unser Ansprechpartner für alles.

Ich bin ein bisschen wehmütig, Tembe war wirklich ein langgehegter Traum von mir und ich finde das ganze Reservat mit all seinen Tieren, den sandigen Böden und den wunderbaren Elefanten einfach nur großartig. Auch dass man eben nicht überall sein darf, hat mir wirklich gut gefallen. Die Philosophie, die hinter diesem Reservat seht, und vor allem, dass es eine von der Community gemanagte Sache ist, ist meiner Ansicht nach etwas, was Zukunft hat, und zwar für alle Seiten: die Bevölkerung und die Tiere. Endlich ein Projekt, wo nicht nur „großes weißes Geld“ gemacht wird, sondern wo im besten Falle die lokale Bevölkerung davon profitiert und so die jungen Menschen dort einen Zugang zu „ihren Tieren“ bekommen.

Plangemäß fahren wir um 10 ab – heute steht noch eine Abendpirschfahrt auf dem Programm. Ich kann mir gar nicht vorstellen, heute noch „fremde“ Tiere zu sehen. Hab auch gar keine Lust dazu – zu stark ist der Abschiedsschmerz.

Wir fahren die schon bekannte Strecke entlang des Stausees retour und bewundern die heraus geputzten Kirchgänger – die Männer im Anzug, die Frauen im Kleid oder im Kostüm – sie gehen alleine oder in Gruppen entlang der Straße zu ihren Kirchen. Oftmals sind das Kreise aus weißen Steinen, die einen Versammlungsort markieren – mehr nicht.

Die kreisrunde Anordnung der weißen Steine sind die Gebetsstätten (also quasi Kirchen) der Schembe … was genau ihre Religion ist, habe ich leider bis heute nicht verstanden, weil ich immer so abgelenkt von den farbenfrohen Menschen bin, die blitzsauber auf den Straßen im Staub unterwegs sind – ich wäre nach 3 Minuten komplett verdreckt…

Der Sonntag wird als Tag der Messe aber wahrscheinlich noch mehr als Möglichkeit zum sozialen Austausch genutzt.

Apropos sozialer Austausch: ich bin so voller Tembe Eindrücke, dass ich erst mal den Großteil der Fahrt verschlafe.

Erst beim Einkaufszentrum werde ich wieder munter.

Das Einkaufcenter ist wie ein amerikanischer Großmarkt. Es gibt ALLES und von dem unglaublich viele Marken.Der Parkplatz ist bumvoll. Die Damen und Herren an den Kassen sehr freundlich. Die Toiletten sind sauber – wie in Amerika. Haben wir Afrika jetzt verlassen und sind wieder in unserem Jahrhundert gelandet?

Das „schwarze Afrika“ hat 2 Gesichter, finde ich:

Einmal modern, mit neuen Autos und riesigen Supermärkten (viiiel größer und besser bestückt als bei uns) und Einkaufsmalls

und auf der anderen Seite das „ursprüngliche“ Afrika, mit Standln an der Straße, wo Paradeiser, Zwiebeln und Kartoffeln einzeln verkauft werden; der Friseur, dessen Salon (meist betitelt als „world most famous hairdresser…“ oder so ähnlich lustig) einfach 2 Holzwände aufgestellt hat und rinnen steht ein Plastikstuhl; kleine Märkte, wo man alles einfach am Boden oder auf Tischchen ausgebreitet, kaufen kann.Natürlich ist hier Armut und Kriminalität ein großes Thema, aber die Lebenslust der Leute hier ist einfach um eij vielfaches größer, hier hat man zumindest das Gefühl, dass die soziale Komponente noch funktionert, die Leute reden und tratschen und lachen miteinander. Sowas sieht man in den riesen Supermärkten nicht mehr…

im Frisiersalon mit der allerschönsten Aussicht sitzt heute niemand – wahrscheinlich sind schon alle schön für die Kirche

Nein – ein paar km von der Stadt, die offensichtlich von einer sehr, sehr großen Zuckerverarbeitungsfabrik lebt, verlassen haben, sind wir wieder da: wenig Verkehr und rundherum viel Grün.

Da – der Wegweisen nach Hluhluwe – da war Nina natürlich schon und ich glaube, sie kann ein bissl was über DEN Rhino Park erzählen.

Hluhluwe-Umfolozi ist eines der allerältesten Reservate und zusammen mit den St. Lucia wetlands ein riesiges Reservat. Hier wurde das erste Rhino-breeding project vor vielen Jahren erfolgreich installiert und gilt HluHluwe als DER Rhino Park schlechthin.

Tragischer Weise ist seit einiger Zeit aufgrund von Korruption Poaching ein riesen Problem in HluHluwe und die Verantwortlichen Minister und in weiterer Folge Parkverantwortlichen weigern sich, das sehr erfolgreiche dehorning (also Enthornung der Nashörner) vorzunehmen – denn dann würden sie ja kein Geld mehr bekommen, wenn wieder einmal eins dieser beeindruckenden Tiere abgeschlachtet wird… Es ist wirklich eine ganz ganz traurige Entwicklung und lag die Anzahl der getöteten Rhinos im April 2022 bei 95….

Wir fahren weiter und kommen an Thanda vorbei – einer der luxuriösesten Lodges Afrikas – nein, da war Nina noch nicht 😉 – aber angeblich sind die Königshäuser Europas hier oft mal zu Gast

Ganz egal – wir fahren noch ein paar km weiter, dann sind wir da – also fast.

Ein unscheinbarer Wegweiser, eine Schranke in dem hohen, elektrisch gesicherten Zaun – eine kleine schwarze Frau in Uniform – und dann fahren wir viele km durch den Busch. Die Wege sind anders als in Tembe: kein Sand, sondern Schotterpisten und ich sehe Impalas und Warzenschweine. Mit aufgestelltem Schwanz sausen sie blitzschnell in sichere Fluchtdistanz – dann bleiben sie stehen und beobachten uns.

Den Warzenschweinen sagt man in Afrika nach, dass sie vor lauter Schreck ihre Antenne aufstellen, losrasen und in ihrer Angst aber vergessen haben, warum sie losgerannt sind 😉 daher bleiben sie nach kurzem Sprint stehen und sehen sich um, was da überhaupt gefährlich ist.

Noch einmal ein Zaun – diesmal ist das Tor offen und dann sind wir da.

Und sofort weiß ich: HIER will ich nicht nach Hause fahren – HIER will ich bleiben. Es ist einfach unglaublich schön. Die Lodge besteht aus dem Haupthaus mit der Küche und 4 kleinen Häusern – alle mit eigener Terrasse, Die Nyalas grasen zwischen den Häusern und alle Terrassen sind in Richtung Teich ausgerichtet. Ein kleines Stück weiter und mit einem Reetzaun abgedeckt stehen die Wirtschaftsräumen.

Die Anlage vermittelt ein Gefühl von Ruhe und Luxus und Entspannung und es ist einfach nur toll.

Wir werden mit einem Kaffee willkommen geheißen und dann rasch rasch die Zimmer oder Häuser beziehen, Um 4 geht’s schon wieder auf Safari. Ich glaube in meinen Kopf passt heut nix mehr rein. Immer wieder höre ich den ersten Satz von „Out of Africa“: I once had a farm – und wenn ich eine hätte – dann würde sie SO aussehen.

Und genau so ist es – ich vergesse wie die erste Pirschfahrt mit Julian war. Vielleicht weiß Nina noch, was wir alles gesehen haben.

Ich war bei der ersten Pirschfahrt gar nicht dabei, ich hab ein bissl Ruhe gebraucht 😉 Julia hat was von Zebras und Krokodilen erzählt.

Ich war derweil auf der Terrasse beim Haupthaus und habe „unser“ Teichkrokodil und diverse Wasservögel, Affen und Antilopen am Wasserloch beobachtet, bis das Krokodil ein Impala fressen wollte, das hat aber Gott sei Dank mit einem Riesensatz Flucht ergriffen.

Voila – unsere Kutsche – ich taufe sie Lizzy – sie erweist sich als unglaublich gelände gängig. Nicht nur einmal mache ich die Augen zu….Man beachte die Einstiegshilfe für die Alten ( sorry Waltraud ) und Lahmen ( also ich) Waltraud lacht und hüpft in den Jeep. Ich turne mich nach den 2 Tag auch ohne Stufen ins Auto – man hat ja einen Ruf…

Ich glaube es waren Büffel und Warzenschweine, ganz sicher Kudus, Nyalas und Zebras und Wasserböcke und tatsächlich das erste Nashorn – aber weit weg

Ich bin platt für heute – das Essen ist toll

hier gibt es keine Wildhunde – Painted Dogs – aber das Bild über dem Kamin gefällt mir so gut, dass es einen Ehrenplatz in diesem Album bekommt

Unsere sehr schönen Häuschen sind super aufgeteilt, Julias Haus ist ein einzelnes Häuschen und Sabine, Mutti und ich haben 2 Häuser, die miteinander verbunden sind, sozusagen das Familienhaus mit 2 Zimmern und 2 Badezimmern. Sabine, du hast vergessen von der Outdoor-Badewanne zu erzählen, die dich so beeindruckt hat, leider war es zu kalt, um die dann wirklich zu benutzen 😉

Das stimmt – leider hab ich’s nicht fotographiert – deshalb hier ein Screenshot von der website

Das Bett ist wunderbar – nur an die Kopfkissen muss ich mich noch gewöhnen – keine Skorpione oder andere Gefahren. Ich glaube ich schlafe noch vor Nina…