26.10.22: wir fahren nach Tembe

Heute ist ?? Ach ich habe keine Ahnung welcher Tag heute ist – das Einzige, was ich weiß: heute geht es auf Safari.

Unser Guide ist wegen der Logistik schon sehr nervös – es ist ein weiter Weg und der Verkehr in Durban…. Und was wir alles mitnehmen müssen…

Die Verladeaktion ist abgeschlossen – nein danke, kein Kaffee mehr in der Früh – weißt eh – wegen der Klopausen ( die werden uns noch weiter begleiten) und so sitzen wir um halb 6 mehr oder weniger munter im Auto.

munter schaut anders aus…

Wir starten in Richtung King Shaka Flughafen, der Guide erklärt uns sehr genau, warum er diese Straße nimmt und nicht die andere – dank seiner ausgefinkelten Wegführung sind wir wirklich schnell aus dem Durban Verkehr draußen und nun geht es nach Norden.

Wir fahren im eiskalten Auto, weil unser Fahrer die Kälte braucht um konzentriert fahren zu können – auf meine Frage, ob wir ihn ablösen sollen, verneint er entrüstet 😉 und dreht dann doch die Klimaanlage zurück.

Wir fahren durch das Land der Zulus und weil viele Ortschaften und Aussichtspunkte sich um den berühmt – berüchtigten King Shaka drehen, wollen wir gerne ein bisschen mehr über ihn erfahren.

Ich habe ihn gestern schon gegoogelt und ganz und gar widersprüchliche Aussagen zu diesem großen Mann erhalten: von genialem Feldherr über wahnsinniger Manipulator, von dem Einiger der Zulus zu geisteskranken Größenwahnsinnigen war alles dabei.

Vielleicht kann ich hier ein paar Wikipedia Zeilen einfügen, um wenigstens ein paar Daten bei der Hand zu haben:

Shaka (* um 1787 – 1828) war ein König der Zulu. Unter seine Herrschaft fiel der Aufstieg der Zulu von einem kleinen Clan zu einem mächtigen Volk mit Macht über einen großen Teil des Gebiets des heutigen Südafrikas. Seinem Erfolg bei der militärischen Überwindung seiner Feinde und seinem Geschick bei der Eingliederung der Unterworfenen verdankt Shaka den Ruf eines der herausragenden Könige der Zulu.

Shaka übernahm das militärische System, das Dingiswayo eingeführt hatte. Shaka war unzufrieden mit der Verwendung des Assegai, eines traditionellen Wurfspießes, von denen die Zulukrieger jeweils drei trugen – er sah keinen Sinn darin, eine Waffe fortzuwerfen, und hielt dies außerdem für einen Akt der Feigheit. Ernest Augustus Ritter schreibt, Shaka habe inkognito die Schmiede des Stammes besucht, die am Rande der Gesellschaft standen, da die Zulu glaubten, sie benutzten menschliches Körperfett für ihre Arbeit. Er bat sie, ihm eine neue Waffe zu entwerfen – den Iklwa, einen kurzen Stoßspeer mit einer langen Klinge als Spitze. Der Name ist eine Nachahmung des Geräusches, das beim Eindringen und Herausziehen der Waffe aus dem Körper entsteht. Shaka führte auch einen größeren, schwereren Schild aus Kuhhaut ein, der dazu gebraucht wurde, den Schild des Gegners zur Seite zu stoßen, um einen tödlichen Speerstich anzubringen. An der Waffe musste nach der Schlacht Blut kleben, sonst drohte dem betreffenden Krieger der Vorwurf der Feigheit.

Die Streitmacht Shakas, die nun in eigenen Kriegerkraals untergebracht war, zeichnete sich durch Disziplin und Nahkampfstärke aus. Als erster Häuptling führte er militärisches Training und sogar Uniformen ein. Um seine Männer abzuhärten, schaffte Shaka die Ledersandalen ab und ließ sie barfuß kämpfen. Shakas Soldaten konnten an einem einzigen Tag über 80 Kilometer zurücklegen und so ihre Gegner überraschen. Er verbot seinen Soldaten unter Strafe den Geschlechtsverkehr und nahm selbst Sechsjährige als Udibi (Krieger-Lehrlinge) auf, die Proviant und Waffen trugen, bis sie selbst der kämpfenden Truppe beitreten konnten.

Vor Shaka war die südafrikanische Kriegsführung von Massenangriffen und dem Einsatz von Wurfspeeren geprägt. Ausgeklügelte Manöver waren unbekannt. Shaka änderte dies durch die Einführung seiner berühmt gewordenen Kampftaktiken, die er von Dingiswayo übernommen und weiterentwickelt hatte. Die Impi wurden in vier Gruppen geteilt, die während der Schlacht eine Ordnung einnahmen, die die Form eines Stierkopfes hatte. Die kampfstärkste Gruppe bildete dabei den Isifuba (Brustkorb) und griff den Feind frontal an. Die zweite und dritte Gruppe bildeten die „Hörner“ (Izimpondo), die gleichzeitig die Gegner mit einer Kreisbewegung umzingelten, um Flucht oder Rückzug zu verhindern. Die letzte Gruppe bildete die Reserve. Shaka selbst beobachtete die Schlachtordnung von einem erhöhten Ort aus und ließ Befehle an die Kämpfergruppen von Boten überbringen.

Shakas Strategie im Einsatz dieser Taktiken war einfach: Seine ersten Angriffe zielten auf kleinere Horden und Clans, die leichte Opfer waren. Dann stellte er die Überlebenden vor die Wahl, zu seinen Streitkräften überzulaufen oder getötet zu werden. Diejenigen, die sich zum Übertritt entschlossen, mussten ihren alten Stammesbindungen entsagen. Sie wurden zu Zulu, erhielten eine Ausbildung in den neuen Kampftechniken und wurden in die Regimenter integriert. Versagen oder das Zeigen von Furcht waren Shaka verhasst und konnten mit dem Tode bestraft werden; Krieger, die negativ aufgefallen waren, wurden bei der Rückkehr am Königskraal aus den Reihen gezerrt und durch Schläge oder das Brechen des Genicks getötet. Andererseits wurden siegreiche Regimenter bei der Heimkehr ausgezeichnet, beispielsweise durch die Erlaubnis zu heiraten.

Shaka machte die südafrikanische Kriegführung, die vorher stark ritualisiert und auf minimalen Verlust von Menschenleben ausgerichtet war, zu einem Instrument der Unterjochung durch brutales Gemetzel. Schätzungen sprechen von bis zu einer Million Opfern seiner Kriege. Auch ein halbes Jahrhundert nach Shakas Tod waren seine Taktiken noch bei den Zulu in Gebrauch, was seinen Ruf als einflussreichster afrikanischer Militärführer untermauert. Außerdem gilt er als Begründer des Gedankens einer Zulu-Nation.

Das ist nur ein kleiner Teil, der Wikipedia Eiträge über King Shaka – wer gerne weiter lesen möchte, kann es ja dann dort tun.

Mich fasziniert die Tatsache, dass er inmitten von riesigen Migrationen unglaublich erfolgreich war und im Rahmen der Mfecane (dem Zerquetschen) den Tod von einer Million von Menschen zu verantworten hatte und ein großer Wegbereiter für den Kolonialismus war. Den Gewehren der Briten hatten auch die Zulus nicht entgegen zu setzen.

Wir sind in der Zwischenzeit entlang von Zuckerrohrfeldern stetig weiter auf den Weg nach Tembe.

Das Zuckerrohr ermöglicht in 5 Jahren 6 Ernten und wird nach seiner Ernte abgebrannt. Brennende Felder gehören zu Südafrika einfach dazu. Entlang den Autobahnen und Autostraßen ziehen sich Kilometer und Kilometer von Zuckerrohr – irgendwann abgelöst von Eukalyptus Wäldern, die gemeinsam mit Wattles ( schwarze Akazien) zur schnellen Holzgewinnung angebaut worden waren. Heute sind die Schattenbäume sehr umstritten und gelten als invasiv. Ich habe hier einen tollen Beitrag der faz beigelegt, der die Problematik der importierten fremden Bäume sehr gut aufzeigt.

https://www.faz.net/aktuell/wissen/invasive-pflanzen-in-suedafrika-droht-eine-triage-fuer-die-bergregionen-17833029.html

Weil die Landschaft so eintönig und langweilig ist, haben wir mehr Zeit uns die Straßen anzuschauen. Nina erhält als Mieterin unseres Leihwagens ständig Nachrichten von der Autovermietung – wenn wir schon wieder und schon wieder und schon wieder die Geschwindigkeit überschreiten, dann müssen wir mit polizeilicher Verfolgung und ich glaube Fegefeuer rechnen….Wie schnell man hier wirklich fahren darf, das hat uns unser Fahrer nie verraten. Auch die Schlangen von katastrophal ausgerüsteten Schwer LKWs, die von völlig übermüdeten Fahrern ohne Führerschein gelenkt werden, sehen wir GSD nicht. Aber was auffällt: die Straßen sind einspurig mit einem breiten Pannenstreifen, auf den der langsamer Fahrende IMMER sofort und ohne Lichthupengetue ausweicht. So ist ein gefahrloses Aneinander Vorbeifahren gar kein Problem. Sowohl auf den Autobahnen als auch auf den Autostraßen kreuzen Menschen, oft auch Kinder in Gruppen, Kühe und Ziegen. Manchmal gibt es auch einen Roadblock – weil die Kühe jetzt grad hier gehen. Wir sausen an Grasstreifen vorbei, an denen Kühe im Abstand von einem Meter grasen und ich mache sicherheitshalber die Augen zu.

unser Guide erzählt an einer Stelle im Eukalyptus/Wattle Wald von einem Unfall, der eine stundenlange Straßensperre nach sich gezogen hatte: ein Laster war umgekippt und tausende Menschen waren aus den umliegenden Dörfern erschienen um zu ergattern, was da so rumliegt. Grausliche Menschen täten von Plünderungen sprechen…die vielen, Menschen, die quasi aus dem Nichts auftauchten, blockierten die Abschleppwagen…

Ich ermahne mich ganz fest keinerlei Wertung zu treffen – wer hier im Recht ist und wer nicht, steht mir definitiv nicht zu.

Nach einem ganz unspektakulären Tankstellen Stopp machen wir nochmals halt und zwar an einem der immer wieder austauchenden Straßenmärkte. Wenn ich Nina und Waltraud nicht mitgehabt hätte, wäre ich sicher gar nicht durchmarschiert – aber so habe ich einige wirklich nette Basteleien gefunden und freue mich heute jeden Tag darüber. Wie schön, wenn man Reisegefährten mithat, die einem helfen alte Berührungsängste über Bord zu werden.

Weil wir so rasch vorangekommen sind, entscheiden wir uns die landschaftlich schönere Route zu fahren – wir müssen in den Ansiedlungen, die als Brennpunkte berüchtigt sind, halt Fenster und Türen geschlossen halten – na das lässt sich machen.

Ach vorher fahren wir noch Fleisch einkaufen – und da entdecke ich folgendes Schild -aber die Leute dort waren extrem freundlich und hilfsbereit – da hätte ich gerne eingekauft, weil auch die Ware sehr sehr schön präsentiert und appetitlich war.

Weiter geht’s Nina, weißt du noch, wie der Stausee, an dem wir entlang gefahren sind, geheißen hat? Ich weiß nur noch, dass jenseits der Bergrücken einerseits Botswana und andererseits Eswatini (Swaziland) liegt.

An den Namen erinnere ich mich nicht mehr, aber daran, dass aus einem Privaten Game Reserve, das an den See grenzt, Elefanten durch den See ans andere Ufer geschwommen (an einer schmalen Stelle, der Stausee ist nämlich rieseig!) und nach Botswana abgehaut sind . Der Park hat früher Elefant Private Game Resort geheißen, wie er jetzt heißt, weiß ich nicht 😉

Staunend halten wir die Augen offen und Nina hat wie immer tolle Schnappschüsse von den Menschen rundherum gemacht.

Nach einer echt langen Reise erreichen wir den Tembe Elefant Park und sind gebührend aufgeregt – also ich. Die Weltreisenden um mich wissen, dass es noch lang nicht losgeht – und genauso ist es auch.

Der Guide registriert uns – leider kein Strom, keine Telefonverbindung und der Funk geht auch grad nicht. Nein, mit dem Privatauto darf man nicht bis zur Lodge fahren, das muss man abstellen und wird dann von einem Ranger abgeholt.

Das mit dem Privatauto hat den Grund, dass der größte Teil von Tembe aus Sandigem Boden besteht, hier kann man nur mit 4 Radantrieb fahren und auch an manchen Stellen nur dann, wenn man aus den Reifen Luft auslässt – wie am Strand. Der Sandboden ist auch genau das, was Tembe so besonders macht: aus diesem Grund sind hier, und nur hier, die berühmten Tusker von Tembe zu finden – Elefant mit den allergrößten Stoßzähne, da sich diese beim Graben im sandigen Boden weder abnutzen noch abbrechen.

Und das mit dem Strom, das ist seit ca. einem Jahr so: täglich gibt es sogenanntes load shedding, das wird gebietsweise der Strom für einige Stunden abgeschalten, da es seit geraumer Zeit ziemlichen Engpass beim Strom gibt. Und im Park ist gerade zu der Zeit, als wir ankommen, der Strom aus…

Na ja – leider ist kein Ranger da und so fährt unser Fahrer los und lässt uns tatsächlich mitten in einem Big 5 Game Park mitsamt unserem Gepäck stehen und fährt los um…. Ja warum weiß er vielleicht selber nicht, denn nach 15 Minuten kehrt er unverrichteter Dinge zurück. Ich fühle mich in einem Park, in dem es sehr wohl Löwen und Leoparden aber natürlich auch andere nicht ungefährlich Tiere gibt, ein bissl überfordert – das bin ich von meinen früheren Reisen definitiv anders gewöhnt. – wir haben zwar noch immer keinen Guide, aber zumindest sind wir nicht aufgefressen….

Also das mit dem quasi Ausgesetzt sein, die Mutti, du und ich (Julia war so gescheot, dass sie im Auto geblieben ist), das hat mich auch ziemlich überrumpelt und war sicher weder vernünftig noch verantwortungsvoll. Aber nachdem es nun mal so passiert ist, habe ich beschlossen, nicht weiter drüber nachzudenken… Ist ja gut ausgegangen. Und Außerdem haben wir si etwas zu erzählen 😉

der Fahrer fährt dann doch nochmals zurück zum Eingangstor und dann geht der Funk und sie können unseren Guide erreichen, der leider verschlafen hat. Es ist 13 Uhr…

Muss ich was über meine Laune sagen?

Da kommt ein Jeep mit einem sehr freundlichen Schwarzen – ja klar. ER ist auch ausgeschlafen. Und auf geht’s ins Camp, das mit einem doppelten Elektrozaun gesichert ist – na es ist nur wegen der Löwen und Leoparden und die Hyänen sollte man nicht vergessen – ja, ja, die streichen wirklich so nahe beim Eingang herum – schau, da sind die Spuren…..

Jetzt hilft nur mehr Galgenhumor.

Aber auch der verlässt mich schnell: die Wege vom Campzentrum zu den einzelnen Zelten sind weit und mit tiefem „Ocean Sand“ bedeckt. Au weh – an den großen Koffer mit eh 4 Rollen – die hier natürlich völlig sinnlos sind  – mag ich gar nicht denken. Muss ich auch nicht. Eine kleine schwarze, fröhlich lächelnde Frau schupft sich das Riesending auf den Kopf und läuft bedrohlich schwankend vor mir zum Zelt.

Ich unterdrücke mühsam meine Gedanken: „Wann mi des Reisebüro ned vermittelt hätt“ und folge ihr mit schlechtem Gewissen.

Natürlich habe ich auf einem Einzelzelt bestanden – in meinem Alter macht man das so. Aber so weit vom Schuss? Ohne Sichtkontakt zu Nachbarn? Weit und breit niemand? Das Zelt lässt sich – wie bei Zelten halt so üblich – nur mit einem Zipp schließen – aber die Affen – ja da muss man aufpassen….

Die Dusche? Natürlich gibt es Kalt- und Warmwasser, aber halt draußen… und die Affen?

In mir keimt ein leiser Verdacht: ich glaube ich bin nicht buschtauglich!

Hmmm. Mein Entschluss steht fest. Hier bleib ich nicht. Ich stapfe durch den tiefen Sand – au mein Knie! – zurück zum Camp wo folgende Infos auf mich warten: Waltraud hat das Zelt getauscht, weil ihres so weit vom Schuss -liegt  – und sie sich dort nicht wohlfühlt. Ja genau wie ich!

Die Mutti ist beinahe verzweifelt, als sie von ihrem Zelt zum Treffpunkt gehen sollte. Sie hat nämlich original NULL Orientierungssinn und obwohl es vom Zelt eigentlich eh nur einen Weg gibt, hat sie sich verzweifelt vor ihr Zelt gesetzt und gehofft, dass sie jemand  findet bevor sie verhungert 😉 Als brave Tochter wusste ich gleich, dass etwas nicht passt, als sie nicht pünktlich beim Jeep war und bin gleich losgerannt um sie zu retten. Da mir klar war, dass sie das nicht schafft, hab ich gebeten, Zelt zu tauschen.

Die arme Nina – sie versucht alles auszubügeln und fühlt sich verantwortlich und sofort habe ich ein schlechtes Gewissen. Ich spreche meine Gedanken (wenn mi des Reisebüro……) nicht aus und erkläre Nina, dass ich sie jetzt und überhaupt von aller Schuld frei spreche – ich bin froh, dass sie diesen Urlaub für mich mit organisiert hat – aber ich möchte nicht alleine in dem einsamen Zelt am Ende der Welt schlafen. Nina springt ein – sie ist der geborene Trouble Shooter – und sie wird bei mir schlafen. Ihre Mama und ihre Tochter haben Zelte, die nahe zueinander liegen und Julia ist sehr stolz, dass sie sich traut alleine zu bleiben.

Nina zieht zu mir. Das Arrangement bewährt sich sehr – wir haben es lustig und stören uns gegenseitig nicht beim Schlafen. Das werden wir beibehalten.

Gott sei  Dank ist Sabine nicht buschtauglich (wie sie selber an diesem Tag mehrfach und abends sogar wie ein Mantra von sich gibt), denn wir haben es ab nun wirklich lustig 

Rasch, rasch ein leichter Lunch – ich hab vergessen, was es da gegeben hat – ist mir nicht besonders in Erinnerung geblieben – und schon geht’s zur allerersten Pirschfahtrt. Darüber erzähle ich aber morgen….

Tembe Lodge – hier gibt es Frühstück, Lunch und Dinner